Neue Aufgaben – neue Abenteuer

Als die vier Tiere eine ganze Weile zusammen in dem Räuberhaus wohnten, wurde es ihnen langweilig. Wollten Sie nicht eigentlich Stadtmusikanten werden? “Früher hatten wir Aufgaben”, meinte der Hund. “Ein jeder tat das, was er am besten konnte und war glücklich darüber.” Die anderen Tiere stimmten ihm zu. Sie fühlten sich alle samt unnütz. Hatten sie doch jetzt ein schönes Haus und konnten ihr Leben so leben wie sie es wollten, jedoch waren sie sich einig, dass jeder von ihnen eine Aufgabe brauche, der er nachgehen könne und so beschlossen sie, weiterzuziehen.

Sie kamen an einem Bauernhof vorbei. Der Bauer schaute in seinen Stall und machte ein betrübtes Gesicht. “Was siehst du so traurig aus?”, fragte der Esel den Bauern. “Gestern ist leider eines meiner Pferde gestorben. Jetzt ist das zweite ganz allein uns sehr traurig, weil es keinen Freund mehr hat.” Die Tiere trösteten ihn und gingen mit ihm zu dem einsamen Pferd. Da stand es mit gesenktem Kopf in der Ecke und ließ die Ohren hängen. “Sei nicht traurig”, meinte der Esel. “Ich kann ein bisschen bei dir bleiben und dir Gesellschaft leisten, wenn du möchtest.” Das traurige Pferd hob den Kopf und spitzte die Ohren. “Wer bist du denn?”, fragte es. “Du siehst aus wie ich, nur viel kleiner und hast viel längere Ohren.” Der Esel lachte lauthals und erklärte ihm, dass er ein echtes Grautier sei. Das Pferd war sehr froh, dass es nun wieder einen Freund hatte und nicht mehr allein sein musste. Also blieb der Esel dort und ließ die anderen Tiere weiterziehen.

Bald schon kamen die drei Tiere an einem kleinen Häuschen vorbei. Eine alte Frau saß auf einer Gartenbank. “Du siehst aber niedlich aus.”, meinte sie und zeigte auf die Katze. “Genauso sah mein Kätzchen auch aus, aber es war schon alt und ist vor einiger Zeit gestorben. Möchtest du nicht bei mir bleiben und einer alten Frau Gesellschaft leisten?” Als die Katze das hörte leuchteten ihre Augen. Sie hüpfte hinauf auf die Bank und ließ sich neben der Frau nieder. Sie kraulte ihr Fell und streichelte die Katze. So gut ging es der Katze noch nie und sie war sehr dankbar, bei der Frau bleiben zu dürfen.

Nun waren sie nur noch zu zweit – der Hahn und der Hund. So zog das ungleiche Gespann weiter und bald schon kamen sie an einem Zaun vorbei, auf dem viele Vögel in Reih und Glied saßen. “Was macht ihr denn da?”, fragte der Hahn verwundert. “Es sieht so aus, als würdet ihr auf etwas warten.” Eine Amsel zwitscherte ihm zu, dass sie sich versammeln würden um eine Reise zu machen. Eine Reise hörte sich gut an. Der Hahn wollte sehr gern verreisen, was jedoch sollte er nun mit dem Hund in Bremen? “Wo geht die Reise hin?”, fragte er die anderen. “Wir fliegen in den Süden, wo es schön warm ist und bleiben über den Winter dort.” Das gefiel dem Hahn und er setzte sich zu den anderen Vögeln auf den Zaun um mit ihnen in den Süden zu fliegen.

Nun war der Hund ganz allein. Alle Freunde hatten eine neue Aufgabe gefunden, nur ihn wollte niemand bei sich haben. Er saß traurig unter einem Baum und dachte über sein Leben nach, da stupste ihn ein Fuchs an. “Was siehst du nur so traurig aus, alter Hund?”, fragte ihn der Fuchs. “Alle meine Freunde sind fortgegangen und haben mich allein gelassen. Der Jäger wollte mich auch nicht mehr haben, weil ich alt bin und nicht mehr so schnell.”, klagte der Hund. Der Fuchs hatte Mitleid mit ihm und nahm ihn mit zu seinem Bau. Viele kleine Füchslein sprangen da herum, tollten miteinander über den Waldboden und spielten. “Du bist ein Jagdhund und kannst den Kleinen beibringen, wie man jagt. Du hast so viel Erfahrung und du wärst ihnen ein guter Lehrer.”, meinte der Fuchs. Der Hund freute sich und zeigte den kleinen Füchslein, wie man Fährten las, Beute aufspürte und jagte. Und weil er das so gut machte, blieb er gerne dort.

So hatte jedes der Tiere eine neue Aufgabe gefunden, die es gern machte und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

2 Kommentare

  1. Vera Carius

    Schöne Geschichte, die ich gern meinen Freunden auf Facebook als Lektüre empfohlen habe.

  2. H. Tiede

    Sinnvolle, nützliche, neue Aufgaben; welche zu einem erfüllten Leben der Tiere führen. Ein schöner Schluss!!!

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