Die Bremer Stadtmusikanten – wie es weiter geht

Die Stadt Bremen
Nach einigen Tagen waren die Vorräte der Räuber aufgebraucht und es meldete sich der Hunger bei den vier Tieren. Der Esel meinte: „Lasst uns nach Bremen gehen und dort musizieren.“ Und so machten sie sich auf den Weg. Es war nicht weit. Nach einiger Zeit durchschritten sie das Stadttor und waren mächtig beeindruckt von der großen Stadt Bremen. Besonders der Marktplatz bot ein eindrucksvolles Bild. Der große Dom mit seinen zwei hohen Türmen und erst das Rathaus mit seiner prächtigen Fassade. „Seht nur, dort ist ein guter Platz für uns“ der Hund zeigte mit seiner Pfote auf eine Stelle gleich neben dem Eingang zur Rathaushalle, in der allerlei Händler ihre Waren feilboten. „Hier kommen die Marktbesucher vorbei, wenn sie in der Halle einkaufen wollen.“

Der Markt
Sie stellten sich auf. Der Hund auf dem Esel, die Katze auf dem Hund und ganz oben der Hahn. „Jetzt alle zugleich“ meinte der Hahn. Und so begann jeder so gut er nur konnte zu krähen, zu miauen, zu bellen und mit seinem Ia, Ia,…. Da war ein gar furchtbares Gejaule und Gekrächze zu hören. Die Händler bauten gerade ihre Stände ab, die Marktzeit näherte sich dem Ende und so warfen sie allerlei nicht verkaufte Ware den Tieren zum Fressen hin. Froh darüber, dass die Tiere mit ihrem furchtbaren Gesang aufhörten, während sie fraßen. Die vier Stadtmusikanten aber gingen satt und zufrieden zurück zu ihrem Räuberhaus im Wald.

Der Wald
Es hatte sich herumgesprochen, dass die Räuber aus dem Wald verschwunden waren und die Bremer Bürger trauten sich wieder, Holz für ein warmes Feuer zu sammeln und die Früchte des Waldes zu ernten. Die vier Stadtmusikanten aber wanderten an jedem Markttag immer wieder vom Wald in die Stadt Bremen, sangen aus Leibeskräften und kehrten satt und zufrieden in das Räuberhaus zurück. Dass die Bremer Bürger ihren Gesang ganz furchtbar fanden merkten sie nicht.

Die Schänke
Bevor die Räuber den Wald eroberten, war das Räuberhaus eine Schänke. Die Wirtsleute hatten es damals aufgegeben, sie bangten um ihr Leben. Jetzt aber kehrten sie zurück. Sie wollten ihre Schänke wieder eröffnen. Sie wunderten sich nicht schlecht, dass die Stadtmusikanten, die „Bremer Stadtmusikanten“, wie der Volksmund sie inzwischen nannte, sich dort häuslich eingerichtet hatten. Sie brachten es nicht übers Herz die Tiere wegzujagen und so lebten Mensch und Tier in guter Eintracht gemeinsam in der Schänke.

Der Gesang
Die vier Stadtmusikanten waren dankbar. Ihre Dankbarkeit brachten sie zum Ausdruck, indem sie für die Gäste der Schänke ihren Gesang darboten. Wie wir alle inzwischen wissen ist der in keiner Weise erträglich, Und so geschah es, dass ein Gast kurzerhand mehrere Seile nahm und den Sängern das Maul bzw. den Schnabel zuband. Die vier Stadtmusikanten waren aufs Äußerste verwundert. Die kluge Katze meinte: „Seht euch an, ihr seid fett und träge geworden. Sie haben Recht, wir dürfen nicht mehr so viel fressen“

Der Wanderer
Die vier Stadtmusikanten sangen und sangen, fraßen und fraßen, solange es die Bremer Bürger zuließen. Nach einigen Jahren kam die Zeit, wo sie sich von dieser Welt verabschieden mussten. Sie verließen diese in dem wunderbaren Glauben, die Bremer Bürger mit ihrem Gesang allzeit erfreut zu haben.
Eines Tages kehrte ein Wanderer in der Schänke ein. Er war viel umhergekommen und konnte so mancherlei Geschichte erzählen. So war ihm auch zu Ohren gekommen, wie die Räuber aus den Wäldern rund um Bremen verscheucht wurden. Da war von vier Tieren, Esel, Hund, Katze und Hahn die Rede. Die Bremer Bürger staunten nicht schlecht.

Das Denkmal
An der Stelle, wo die vier Stadtmusikanten damals ihren Gesang darboten, gleich neben dem Tor zur unteren Rathaushalle, errichteten die Bremer Bürger voller Dankbarkeit ein bronzenes Denkmal für ihre „Vier Stadtmusikanten“. Die zugebundenen Mäuler und Schnäbel sucht man vergeblich, welcher bronzenen Statue ist schon Gesang gegeben. Und jeder, der an dem Glück der vier Stadtmusikanten teilhaben möchte, reibe doch am Huf des Esels. Und warte ab, das Glück wird kommen.

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