Das Geschenk der Waldtrolle

Die vier Stadtmusikanten lebten die nächsten Tage zufrieden in dem Räuberhaus. Sie alle ruhten sich aus und konnten neue Kraft schöpfen.

Eines Tages klopfte es zaghaft an der Tür. Der Hahn vermutete zunächst ein Zurückkommen der Räuber und alarmierte seine Freunde mit einem lauten „Kikeriki!“. Anschließend rief der Esel mit tiefer Stimme „Halt – wer da? Das ist unser Haus“. Die Tür öffnete sich vorsichtig und es zeigten sich zwei winzige Gestalten.

Sie hatten zerzauste Haare, spitze Ohren und trugen edle, erdfarbene Gewänder. Dass es sich um keine Eindringlinge handelte, erkannten die vier Stadtmusikanten sofort. Dennoch waren sie erstaunt, denn solche Lebewesen hatten Sie noch nie gesehen. Der Hund fragte „Wer und was seid ihr?“, die Katze rief „Seid ihr Zwerge?“. Die beiden kleinen Gestalten lachten und stellten sich vor: „Nein wir sind keine Zwerge, sondern Waldtrolle“. „Wir kommen mit guter Absicht und bitten um Einlass“. Die vier Stadtmusikanten ließen die kleinen Trolle ein und luden Sie zu einem gemeinsamen Essen ein. Die Stimmung war fröhlich und die neugierigen Stadtmusikanten freuten sich über etwas Abwechslung – mittlerweile war ihnen nämlich etwas langweilig in dem Räuberhaus im Wald geworden.

Nach einiger Zeit fragte der Esel „Wie kommt ihr hierher zu unserem Haus?“. Die beiden Trolle guckten sich an, seufzten und erzählten dann ihre Geschichte. „Waldtrolle sind friedliche Gefährten, die in jedem Wald wohnen. Allerdings sieht man uns selten, denn wir sind geschickt und könnten uns gut verstecken. Wir helfen den Tieren und Pflanzen und ernähren uns von Pilzen und Wurzeln“. „Letztes Jahr im Herbst drang plötzlich eine Horde von Räubern in unseren Wald hier ein“, „sie waren laut, grob und vertrieben uns aus unserer Heimat“. Der zweite Troll ergänzte „Wir mussten uns und unseren Familien notgedrungen und kurz vor Einbruch des Winters eine neue Bleibe suchen – und obwohl wir diese gefunden haben, denken wir immer noch zurück an diese schöne Lichtung hier, die unsere Heimat ist“. „Kommt doch wieder zurück“ sagte der Hund, „wir haben die Räuber für immer vertrieben“. Die Trolle guckten zunächst ungläubig, brachen dann in Jubel aus und waren sehr dankbar für das Angebot – gleich wollten Sie ihren Familien die gute Nachricht überbringen. Schon mehrere Monate hatten sie immer wieder heimlich beobachtet, ob die Räuber weiter gezogen waren. „Aber was ist mit euch – woher kommt ihr?“ fragten die Trolle. Daraufhin berichtete der Hahn, wie es dazu kam, dass die Vier in dem Haus wohnten.

Nach der Erzählung fragten die Trolle „Aber warum zieht ihr nicht weiter nach Bremen? Es war doch euer Traum!“. Die vier Stadtmusikanten kamen ins Grübeln und fassten einen Entschluss „Warum nicht“ sagte der Esel, „Wir sollten es versuchen“ ergänzte der Hund. „Endlich geht es weiter“ sagt die Katze“ und der Hahn rief „Morgen ziehen wir los!“. „Aber vielleicht können wir zuvor noch eure Familien kennen lernen?“ fragte der Esel die Trolle. Diese willigten begeistert ein und alle verabredeten sich für den nächsten Morgen.

Schon in der Frühe kam die Gemeinschaft der Waldtrolle auf die Lichtung des Räuberhauses – sie trugen ihr ganzen Hab und Gut mit sich und lugten neugierig zum Räuberhaus. Der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn staunten nicht schlecht über so viele kleine, nette Wesen. Die beiden den Stadtmusikanten bekannten Trolle sagten „Wir wünschen euch eine gute Reise und werden gut auf das Haus aufpassen. Falls das Leben als Stadtmusikanten euch nicht mehr gefallen sollte, kommt zurück. Hier seid ihr immer willkommen!“. Ein anderer Troll ergänzte „Wir werden euch ewig dankbar sein, dass ihr die Räuber vertrieben und uns unsere Heimat wiedergegeben habt!“.

Die vier Stadtmusikanten fühlten sich geehrt und zogen unter dem leisen Applaus der winzigen Trolle Richtung Bremen. Dort angekommen musizierten sie noch viele Jahre und ab zu besuchte sie einer der Waldtrolle um seine alten Freunde wiederzusehen.

Was die vier Stadtmusikanten nicht wussten, war dass die kleinen Waldtrolle magische Kräfte besitzen und beschlossen hatten sich für den großen Gefallen der Rettung ihrer Heimat erkenntlich zu zeigen. Und so erschien nach Lebzeiten der Bremer Stadtmusikanten wie von Geisterhand ein Denkmal der Vier neben dem Bremer Rathaus, das für immer an ihre heldenhafte Tat sowie ihre Musik erinnern sollte.

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